Fundstück: Geschichten von Gestern müssen Geschichten von heute sein

Und wo passt so etwas besser hin, wenn nicht zu den altweibergeschichten.

Meine liebe ♥Barbara♥ hat da ein paar ganz besondere Gedanken in Worte gefasst.

In meinem heutigen Beitrag geht es darum zu zeigen, dass wir Weisheit dort holen müssen, wo sie vorhanden ist: In den Märchen, Mythen, Sagen und Legenden. Es spielt keine Rolle, ob diese in Grimms Hausmärchensammlung, in der Edda oder in der Bibel zu finden sind.
Beitrag mit Bildern unseres gestrigen Strandspazierganges (Gallipoli).

In meinem Beitrag „Geschichten von gestern für heute?“ stellte ich die Frage, ob Geschichten von gestern auch Geschichten von heute sein können.

Die Frage beinhaltet jene Geschichten, die nicht nur mich und dich, sondern ganz viele Menschen interessieren. Es sind dies Geschichten, die allgemein bekannt sind, und die unterschiedlichsten Menschen in ihren Bann ziehen.
Ich gab diesen Geschichten den Namen „Wir-Geschichten“ und nannte als Beispiele aus früheren Jahren die Märchen, Geschichten aus der Bibel, Max und Moritz, Pippi Langstrumpf und Struwwelpeter.
Die Frage habe ich für mich nun beantwortet. 🙂
Ich meine: Geschichten von gestern müssen Geschichten von heute sein.
Dass die Hausmärchen der Gebrüder Grimm im Jahre 2005 zum Weltkulturerbe erklärt wurden, zeigt, dass Märchen doch nicht ganz so pädagogisch wertlos sind, wie man es in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts sah. Märchen sind seit Generationen bewahrte Verdichtungen von Lebenserfahrungen, von Ängsten und Sehnsüchten, von Lebensnot und Lebenswünschen.
Dazu ein Beitrag aus der „noz“.
Märchen gehören ohne Zweifel zu unserem Kulturgut.
Tun dies Mythen, Heldenlieder, Sagen, Legenden, Verse, Fabeln und andere „märchenhafte“ Geschichten – so z.B. die biblischen Geschichten – auch?
Ich meine: Ja.
Die Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen „Gattungen“ sind augenscheinlich. Alle berichten über Vergangenes und sie tun dies sinnbildlich (symbolisch), so dass man in ihnen die eigenen Gefühle, Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen erkennt. Bildsprache und Symbolik stehen im Vordergrund, Ereignisse hingegen treten in den Hintergrund. Es spielt genau deshalb keine Rolle, dass die Sprache veraltet ist und die Rollenbilder überlebt und die Grausamkeiten angsteinflössend sind. Mit der Geschichte taucht man ein in eine Welt, die nicht die unsere ist.
Einschub:
Gerade diese Ausflüge in die Irrealität sind – v.a. für Kinder – von besonderer Bedeutung.
So hält z.B. Bruno Bettelheim die frühen Ausflüge in die Irrationalität für eine Voraussetzung, zum „Realitätsprinzip“ zu gelangen. Ich zitiere aus http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40941983.html
„Wenn Kinder, die noch kein abstraktes Denkvermögen haben, aus ihrer Versponnenheit gerissen werden, können sich Fehlentwicklungen einstellen.“
Ende des Einschubs
Genau bei diesem Ausflug in die Irrealität liegt der Hase im Pfeffer, wenn es um politische Korrektheit in älteren (Preussler) und alten Geschichten (Weihnachtsgeschichte) geht. Sie ist gerade deswegen kein Thema. Dazu ein Link, der zeigt, welche Irrwege heute begangen werden.
Es ist nicht das Wissen einer längst vergangenen Zeit, das uns an den alten Geschichten fasziniert, sondern die Weisheit, die aus diesem Wissen hervorgeht. Im Gegensatz zum Wissen, das sich verändert, sind Weisheiten „ewige Wahrheiten“.
Wir können also ungeniert Weisheiten aus den Geschichten in unsere reale Welt mitnehmen, wenn wir aus der Irrealität auftauchen.
Wie aber steht es mit Existenzen, denen wir während unserer Ausflüge begegnet sind? Wie steht es um Trolle, Feen, Hexen, gestiefelte Kater und um Götter? Wie steht es um Gott?
Ich zitiere den Psychotherapeuten Rainer Dirnberger:
„Aber eine Welt ohne Gott? Ganz ohne Götter? Ohne Zeus und seine Liebesaffären? Ohne Odin und Thors Hammer, den Krieg der Götter gegen Riesen und Dämonen? Keine Götterdämmerung? Keine Schöpfungsgeschichten? Keine Geschichten, wie sehr die Götter uns lieben? Und wie sehr wir uns und unsere Mitmenschen zumindest deswegen auch lieben sollten?
Eine Welt ohne Götter in Märchen, Mythen und Sagen wäre eine arme Welt. So viel Weisheit liegt in diesen Geschichten. Wenn wir sie als das begreifen, was sie sind, und nicht aufgrund narzisstischer Gekränktheit überhöhen, ins Absolute setzen, Weisheit mit Wissen verwechseln und Wissen mit Existenz.
Märchen, Mythen, Sagen, Lyrik, Geschichten, Literatur, das ist der Ort menschlicher Kultur, in dem wir Gott auf keinen Fall missen wollen.
Das ist der Ort, an dem wir Götter gefahrlos huldigen können. Hier können wir das Mysterium würdigen, das wir eben nicht auf alle Fragen einen Antwort wissen. In Märchen, Mythen, Sagen finden wir eventuell intuitiv-emotionales Verstehen. Das wird individuell sehr verschieden erlebt werden, von vager Ahnung bis zu tiefem Trost.“
Genau das ist der Bibel passiert. Illusionen wurden zu Wirklichkeiten, Irrealität vermischte sich mit Realität.
Die Geschichtsschreibungen, Prologe, Liebeslieder, Hymnen, Paradoxa, Monologe, Dialoge, Rätsel, Ellipsen, Gebete, Gleichnisse, Parabeln, Gedichte und Briefe der Bibel wurden ins Absolute gesetzt. Weisheiten wurden zu Wissen und Wissen zu Existenz. Zudem diente die Interpretation bestimmter Bibelstellen den Mächtigen dazu, die Nicht-Mächtigen zu unterdrücken und auszubeuten.
Daraus können wir lernen.
Mich hält nichts zurück, Mythen, Lieder, Sagen, Legenden, Verse, Fabeln und andere „märchenhafte“ Geschichten – so z.B. die biblischen Geschichten – hochzuschätzen und von ihren Weisheiten zu profitieren.
Was mich an der Bibel besonders fasziniert, ist die Tatsache, dass sie zusätzlich zu Weisheiten auch eine (ewige) Utopie zu bieten. Die Utopie einer besseren, vernünftigeren (im Sinne von Weisheit) und gerechteren Welt. Gott und andere irreale Existenzen nehme ich von meinen Ausflügen in die Irrealität nicht mit.

Was aber für Rainer Dirnberger, für mich und viele andere gilt, muss noch lange nicht heissen, dass dies für alle gelten muss. Es kommt darauf an, wo der einzelne Mensch die Trennlinie von irrealer und realer Welt machen KANN.
Kann?

Hätten wir Zustände auf unserer Welt, die allen Menschen einen „relativen Wohlstand“ böte, bräuchten viele von ihren Ausflügen in die Irrealität Gott nicht mehr mitzubringen.
Gross ist der Wunsch des Menschen nach Beistand, Hilfe und Erlösung. Sieht er sich diesen Wunsch in seiner Realität nicht erfüllt, schafft er sich eine Realität, in der dies möglich ist. Er verschiebt die Trennlinie zwischen Irrealität und Realität. So etwas nennt man Überlebensstrategie und nicht geistige Umnachtung, Mangel an Bildung oder Aufklärung.
Was ich mit diesem Artikel u.a. zeigen will, ist die Tatsache, dass man mit der Bibel auch umgehen kann, ohne mit Gott von den Ausflügen in die Irrealität zurückzukommen. Die Bibel bleibt auch dann – oder gerade dann – ein Buch voller dichterischer Weisheiten, welche die Bedürfnisse nach mehr Menschlichkeit und sinnvollem Dasein befriedigen.
„Von meiner Kindheit an hat mich die Bibel mit Visionen über die Bestimmung der Welt erfüllt. In Zeiten des Zweifels haben ihre Grösse und ihre dichterische Weisheit mich getröstet. Sie ist für mich wie eine zweite Natur. Die Bibel schien mir und scheint mir heute noch die reichste poetische Quelle aller Zeiten zu sein. Die Bibel ist wie ein Echo der Natur, und ich habe danach gestrebt, dieses Geheimnis weiterzugeben.“
(Marc Chagall, 1887-1985, russischer Maler und Graphiker)
Wenn Weisheit das Vermögen ist, vorhandenes Wissen so einzusetzen, das es einem selbst und anderen dient, dann müssen wir sie dort holen, wo sie vorhanden ist: In den Märchen, Mythen, Sagen und Legenden, ob diese nun in Grimms Hausmärchensammlung, in der Edda oder in der Bibel zu finden sind.
Barbara
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Schön das du da bist und Danke, dass du ein paar deiner Gedanken hier lässt..........noch einen wundervollen Tag♥

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